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{{Infobox ICD
| BREITE = 250
| 01-CODE = I49.9
| 01-BEZEICHNUNG = Kardiale Arrhythmie, nicht näher bezeichnet
}}
Unter einer '''Herzrhythmusstörung''' (HRS), mit den Formen '''(Kardiale) Arrhythmie''' (, ?unrhythmisch?; unregelmäßige Abfolge der Erregungen und/oder der Pulsschläge) und '''Kardiale Dysrhythmie''' (Abweichung von der normalen Herzfrequenz oder Störung des zeitlichen Ablaufs der einzelnen Herzaktionen), versteht man eine Störung der normalen Herzschlagfolge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und -leitung im Herzmuskel. Physiologische Veränderungen im Herzrhythmus werden hingegen als Herzfrequenzvariabilität bezeichnet.
Darunter gibt es eine Beschleunigung (Tachykardie) und eine Verlangsamung (Bradykardie) der Herzfrequenz.

Einteilung der Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen werden meist nach ihrem ''Entstehungsort'' (Vorhof, Kammer, Erregungsbildung und -leitungssystem) unterteilt. Weitere Unterteilungsmöglichkeiten sind nach
  • ''Geschwindigkeit (Frequenz) des resultierenden Herzschlages:'' bradykarde (beim erwachsenen Menschen weniger als 60 Schläge in der Minute) oder tachykarde Rhythmusstörungen,
  • ''Gefährlichkeit:'' gutartige (mit hämodynamisch stabiler Symptomatik) oder bösartige, durch instabile Hämodynamik potentiell lebensbedrohliche Rhythmusstörungen
  • ''Entstehung(smechanismus):'' angeborene (zusätzliche Leitungsbahnen bzw. fokale Impulsbildung, kreisende Erregung, Herzmuskelerkrankungen, Ionenkanalerkrankungen) oder erworbene (ischämisch, Verdickung des Herzmuskels, Vergrößerung der Herzhöhlen) Störungen.
  • ''Ursprungsort:'' Supraventrikuläre (Supraventrikuläre Tachykardie/Supraventrikuläre Extrasystolen) oder ventrikuläre (Ventrikuläre Tachykardie/Ventrikuläre Extrasystolen) Rhythmusstörung.
  • ''EKG-Kriterien:'' Breite und Aussehen des QRS-Komplexes, regelmäßig oder unregelmäßig, Vorhof- und Kammerfrequenz.
  • ''Beginn:'' Plötzlich (paroxysmal) oder langsam zunehmende Herzrhythmusstörung.
  • ''Dauer:'' Nicht anhaltend (unter 30 Sekunden) oder anhaltend andauernd.

Vorhof (supraventrikuläre Rhythmusstörungen)

{| border="0" cellspacing="0" style="float:right;margin-left:1.5em;border-collapse:collapse;"
|valign="top"|''Erregungsleitungssystem''
<small>(schematisch, beim Menschen)</small>

<small>1 Sinusknoten ? 2 AV-Knoten</small>

<small>Wichtige Strukturen sind in der
Grafik verlinkt</small>
|align="center"|
<imagemap>
Image:Reizleitungssystem 1.png|200px|right|Erregungsleitungssystem

poly 315 829 297 862 274 863 245 847 227 828 215 808 218 795 223 782 233 778 251 773 275 778 307 809 AV-Knoten
poly 138 625 168 630 176 647 174 681 159 703 128 720 88 726 74 703 88 660 116 639 Sinusknoten
poly 316 840 300 862 323 877 333 854 333 850 333 846 His-Bündel
poly 80 723 48 869 59 981 106 1017 200 943 237 861 207 805 217 769 244 752 224 683 208 646 174 698 144 734 94 740 78 742 76 743 Rechter Vorhof
poly 254 682 405 590 376 472 382 437 413 385 435 373 473 368 483 380 590 418 597 324 566 255 519 211 383 199 304 263 247 333 214 431 213 526 Aorta
poly 313 879 333 886 374 965 404 1020 425 1068 429 1119 429 1154 427 1189 425 1206 447 1241 438 1241 404 1197 323 1197 389 1175 250 1132 251 1102 351 1150 394 1156 405 1085 386 1056 364 1114 302 1084 310 1074 278 1040 278 1028 344 1043 370 1023 367 989 335 939 314 884 Rechter Tawara-Schenkel
poly 344 852 338 877 359 899 391 968 428 1025 460 1059 495 1069 553 1115 605 1164 672 1207 697 1237 700 1257 742 1253 745 1241 707 1219 773 1205 761 1168 692 1197 634 1163 738 1160 771 1134 815 1045 738 1056 761 1105 718 1148 648 1142 600 1130 528 1061 564 1042 620 1047 665 1071 702 1086 650 1040 589 1024 595 1000 647 998 618 944 569 960 503 1040 431 993 378 894 348 881 338 876 Linksanteriorer Faszikel
poly 375 864 375 890 446 899 492 893 571 915 596 920 656 920 607 887 547 876 493 872 459 881 507 836 574 834 636 857 656 870 661 859 625 831 555 807 497 810 466 823 437 864 426 874 377 866 Linksposteriorer Faszikel
poly 294 877 354 1042 441 1142 522 1233 546 1260 352 1238 233 1177 148 1081 136 1045 Rechter Ventrikel
poly 437 729 364 827 598 1093 698 1107 710 1038 656 896 Linker Ventrikel
poly 360 840 311 895 412 1085 508 1198 569 1250 637 1251 684 1176 486 997 Ventrikelseptum
desc bottom-right
</imagemap>
|}

Kammer (ventrikuläre Rhythmusstörungen)

Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem

Symptome

Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor. Gesunde bemerken manchmal ein Herzstolpern (Palpitationen) oder kurzzeitiges Aussetzen des Herzschlags, verursacht durch Extraschläge. Herzrasen wie bei schnellem Vorhofflimmern oder bei einer AVNRT wird häufig als regelmäßiges oder unregelmäßiges Klopfen ?bis in den Hals? beschrieben. Ist ein Herz vorgeschädigt, kann sich, bedingt durch die zu hohe Herzfrequenz, eine bestehende Herzschwäche verschlechtern. Dies kann sich beispielsweise durch Luftnot äußern. In ausgeprägten Fällen kann ein Lungenödem resultieren. Auch Herzschmerzen (Angina pectoris) können vorkommen sowie eine Verschlechterung von Symptomen einer vorbestehenden schlechten Hirndurchblutung (Desorientierung, Schwindel, Krampfanfall, vorübergehende Sprach- und Sehstörungen).

Liegt eine langsame (bradykarde) Rhythmusstörung vor (SSS, SA-Block, AV-Block) können Schwindel, Kollapszustände bis hin zu vollständiger Ohnmacht (Synkope) resultieren. In seltenen Fällen kann auch eine tödliche Asystolie bei einem AV-Block?III° ohne Ersatzrhythmus vorkommen.

Bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen wie einer ventrikulären Tachykardie ist die Auswurfleistung des Herzens meist so stark eingeschränkt, dass ein ausreichender Kreislauf nicht mehr möglich ist, die Patienten verlieren das Bewusstsein. Eine mechanisch fehlende Herzaktion liegt bei Kammerflattern oder -flimmern mit vollständigem Kreislaufstillstand (Asystolie) vor. Treten diese Rhythmusstörungen ohne vorab erkennbaren Grund auf, spricht man vom plötzlichen Herztod.

Diagnostik

Es gibt verschiedene Arten und Formen von Herzrhythmusstörungen, zu deren Diagnostik besonders das EKG (Elektrokardiogramm) -?und hier wiederum vor allem das Langzeit-EKG?- dient. Falls mit diesen Mitteln die Rhythmusstörung nicht ausreichend diagnostiziert werden kann, ist unter Umständen eine so genannte elektrophysiologische Untersuchung notwendig.

Die Erkennung der Ursache ist Voraussetzung für eine richtige Therapie.

  • Anamnese (v.?a. Medikamente, Vorerkrankungen und/oder bestehende Erkrankungen, Familienanamnese)
  • Ruhe-EKG (Erfassung aktuell vorhandener HRS) und Langzeit-EKG (Erfassung tageszeitlich bzw. situationsbedingter HRS), ggf. Eventrekorder (Erfassung vereinzelt auftretender Episoden)
  • Ergometrie (Erfassung von belastungsinduzierten HRS und von Anomalien des Herzfrequenzanstiegs z.?B. beim Sick-Sinus-Syndrom)
  • Elektrophysiologische Untersuchung (invasiv, aber sehr präzise z.?B. mittels Mapping-Katheter); Erfassung ektoper Foci, akzessorischer Leitungsbahnen (z.?B. Mahaim-Fasern oder Kent Bündel beim WPW-Syndrom)
  • Echokardiografie
  • Pharmakologische Tests (z.?B. Ajmalintest zur Diagnose eines Brugada-Syndroms)

Ursachen

Angeborene Ursachen

  • Kardiomyopathien
  • Akzessorische (überzählige) Leitungsbahnen (WPW-Syndrom, AVNRT)
  • Ionenkanalstörungen (Brugada-Syndrom, angeborenes Long-QT-Syndrom)
  • angeborene Herzfehler (Vitien mit Druck- oder Volumenbelastungen des Herzens)

Erworbene Ursachen

Andere (extrakardiale) Ursachen

Therapie

Herzrhythmusstörungen bedürfen einer Therapie nur beim Herzkranken. Hierzu zählen angeborene oder erworbene Herzmuskelerkrankungen, aber auch vorübergehende Erkrankungen wie Herzmuskelentzündungen und das Holiday Heart Syndrom. Die häufigsten beim Herzgesunden zu findenden Rhythmusstörungen sind Extrasystolen. Diese sind gutartig und sollten nicht im Sinne einer ?Kosmetik des EKGs? medikamentös behandelt werden.

Supplementation

Magnesium kommt wegen seiner antiarrhythmischen Eigenschaften in der Therapie von Herzrhythmusstörungen zum Einsatz. Zu dessen wichtigsten Wirkmechanismen zählen die Aufrechterhaltung des Elektrolytgleichgewichts in den Herzmuskelzellen, die Erhöhung der Reizschwelle, der Calcium-Antagonismus sowie die Minderung der Freisetzung von Neurotransmittern und Mediatoren (z.?B. Noradrenalin, Adrenalin), wodurch eine Arrhythmie präventiv verhindert oder eine bestehende Herzrhythmusstörung relativ nebenwirkungsfrei (durch orale Gabe) beseitigt werden kann. Einzige Kontraindikation bei oraler Verabreichung ist eine schwere Niereninsuffizienz, wobei eine kontrollierte Dosisanpassung erwogen werden kann.

Medikamentös

Abhängig von der Art der Rhythmusstörung werden frequenzregulierende und -stabilisierende Medikamente, sogenannte Antiarrhythmika (Adenosin, Ajmalin, Amiodaron, Atropin, Betablocker, Digitalis, Flecainid, Calciumantagonist vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ u.?a.) gegeben.

Elektrisch

Bei zu langsamem Herzschlag wird ein Herzschrittmacher implantiert, bei immer wieder auftretenden gefährlichen Rhythmusstörungen ein implantierbarer Defibrillator (ICD). Zur Wiederherstellung eines normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) kann bei Vorhofflattern und -flimmern und ventrikulärer Tachykardie von außen ein elektrischer Reiz auf den Körper ausgeübt werden (elektrische Kardioversion). Liegt ein Kammerflimmern vor, spricht man bei Verwendung höherer Energie von einer Defibrillation.

Invasiv

Treten bösartige Rhythmusstörungen im Rahmen einer Verschlechterung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) auf, so gilt es, die Durchblutung des Herzens mittels Herzkatheter oder Bypass-Operation zu verbessern. Einige Rhythmusstörungen (AVNRT, WPW-Syndrom, Vorhofflattern und -flimmern) können durch Katheterablation beseitigt werden.

Sonstige

Extrakardiale Ursachen sollten kausal durch Behandlung der Grundkrankheit (Hyper-, Hypothyreose, Elektrolytstörung, Intoxikation) behandelt werden. Supraventrikuläre schnelle Herzrhythmusstörungen können durch Anheben des Vagotonus mit Hilfe des Valsalva-Manövers oder Carotisdruckversuch beeinflusst werden.

Literatur

  • {{Literatur
   |Hrsg=Mewis, Riessen, Spyridopoulos
   |Titel=Kardiologie compact
   |Auflage=2.
   |Verlag=Georg Thieme
   |Ort=Stuttgart / New York
   |Datum=2006
   |ISBN=3-13-130742-0}}

  • {{Literatur
   |Autor=[[Heiner Greten]], Tim Greten, Franz Rinninger
   |Titel=Innere Medizin
   |Verlag=Georg Thieme Verlag
   |Datum=2010
   |ISBN=978-3-13-162183-2
   |Online=

  • {{Literatur
   |Autor=Hans-Georg Gieretz
   |Titel=Begutachtung in der Kardiologie
   |Verlag=ecomed-Storck
   |Datum=2010
   |ISBN=978-3-609-16425-0
   |Online=

  • {{Literatur
   |Autor=Britt-Maria Beckmann et al.
   |Titel=Erbliche Herzrhythmusstörungen: Diagnostik, Therapie und Prävention
   |Sammelwerk=Dtsch Arztebl Int
   |Nummer=108(37)
   |Datum=2011
   |Seiten=623-634
   |Online=[http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=105575 Übersichtsarbeit]}}

  • Berndt Lüderitz, unter Mitarbeit von Bruno Inhester: ''Geschichte der Herzrhythmusstörungen. Von der antiken Pulslehre zum implantierbaren Defibrillator.'' Berlin / Heidelberg usw. 1993.
  • Reinhard Larsen: ''Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie.'' (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u.?a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 71?74.
  • Susanne Hahn: ''Herzrhythmusstörungen.'' In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): ''Enzyklopädie Medizingeschichte.'' De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 584 f.
  • Anne Paschen: ''Herz.'' In: Jörg Braun, Roland Preuss (Hrsg.): ''Klinikleitfaden Intensivmedizin.'' 9. Auflage. Elsevier, München 2016, ISBN 978-3-437-23763-8, S. 185?283, hier: S. 223?237 (''Herzrhythmusstörungen'').

Weblinks

Einzelnachweise

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